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Buch Staffan Lindeberg, Teil 1. - Wichtigste Aussagen

Staffan Lindeberg (†2016) hat ein höchstinteressantes Buch* über unsere typisch-westliche Ernährung und daraus resultierende Krankheiten wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Arteriosklerose, Diabetes u.a. geschrieben. Ich gebe Ihnen hier eine kleine Zusammenfassung der wichtigsten Aussagen. Das Buch aus dem Jahr 2010 wurde noch nicht ins Deutsche übersetzt (alle Übersetzungen mit freundlicher Genehmigung durch Staffan Lindeberg):
• Bevor sie krank werden, zeigen Patienten oft jahrelang vorher schon Warnsignale wie erhöhten Bauchumfang, erhöhten Blutdruck, Diabetes oder erhöhten Serum Cholesterinspiegel.
• Die Verbindung von Lebensstil und Gesundheit ist oft illusorisch, während molekular-biologische Modelle oft übervereinfacht werden {z.B. das Kalorienmodell mit Proteinen, Fett und Kohlenhydraten}.
• Es gibt nichts {keine Nährstoffe} in Vollkornbrot und Magermilch, das man nicht auch durch eine Steinzeiternährung aufnimmt.
• Die meisten Kalorien in der typischen westlichen Ernährung kommen von Nahrungsmitteln, die es in der Evolution des Menschen nicht gab.
• Die Steinzeit-Ernährung enthält viel Wasser, Fasern und Proteine, was sie - bei einer niedrigen Kalorienaufnahme - sehr sättigend macht.
• Die vorwiegende menschliche Ernährung bis zur Steinzeit bestand aus Fleisch, Fisch, Muscheln, Obst, Gemüse, Wurzelgemüse, Nüssen und Insekten, in sehr veränderlichen Anteilen und mit einer riesigen Auswahl an pflanzlicher Nahrung.
• Auf der Grundlage von kaliumreichen Gemüsen und der Abwesenheit von gesalzenen Speisen war die Ernährung bis zur Steinzeit alkalischer (basischer) gegenüber der heute vorherrschenden säurehaltigen Ernährung.
• Die Fasern von Obst, Gemüse und Wurzelgemüse sind wasserlöslich im Gegensatz zu den nicht wasserlöslichen Fasern in Getreide, die weniger positive Stoffwechsel-Effekte als die wasserlösliche erzeugen.
• Menschen sind in Ihrer Natur für einen hohen Fleischverzehr gut angepasst.
• Der Fettgehalt in Fleisch variiert erheblich zwischen verschiedenen Ländern.
• Fleisch aus der Erzeugung von freilebenden Tieren hat denselben Fettgehalt wie Wild, vorausgesetzt es wurde kein Getreide zugefüttert.
• Die wissenschaftliche Basis von Vegetarismus ist schwach.
• Casein, das Eiweiss in der Milch, bewirkt in Tierexperimenten die am meisten fortgeschrittene Arteriosklerose, Insulin-Resistenzen und einen gestörten Fettstoffwechsel gegenüber jedem anderen Nahrungsmittelprotein.
• Alle Fette haben einen negativen Einfluss auf die Bildung von Arteriosklerose mit der einen Ausnahme von Omega-3-Fettsäuren. Das Milcheiweiss Casein hat in vielen Tierexperimenten eine Beschleunigung des Prozesses von Arteriosklerose gezeigt.
• Die Eiweisse der Steinzeit-Ernährung stammen aus magerem Fleisch, Fisch, Muscheln und Gemüse, aber nicht aus Milch, Milchprodukten {Käse, Yoghurt}, Getreide oder Bohnen.
• Um die Aufnahme von pflanzenaktiven Substanzen {Lektine, Phytine} zu vermeiden, war unsere Hauptnahrung nicht Getreide oder Bohnen.
• Vollkorngetreide und Bohnen enthalten viele bioaktive Substanzen (Phytinsäure und ihre Salze sog. Phytate), die im menschlichen Darm die Aufnahme von Eisen, Calcium, Zink und Magnesium verhindern.
• Die am meisten angenommene Funktion von Lektinen ist der Schutz gegenüber pflanzenfressenden Tieren. Die höchste Konzentration von Lektinen findet man in Getreide, Bohnen, Kartoffeln und Erdnüssen.
• Lektine werden durch normales Kochen nicht zerstört. Im Dampfdruckkocher werden die meisten der Lektine zerstört.
• Lektine sind resistent gegen Zersetzung im Darm, können ungehindert die Darmwand durchwandern und lagern sich dann in inneren Organen ab.
• Lektine wurden bis zur Steinzeit auch aufgenommen, jedoch längst nicht in den Konzentrationen, wie es heute üblich ist und schon gar nicht von ganz wenigen Pflanzenarten wie heute.
• Protease-Inhibitoren sind Substanzen in Bohnen und Getreide, die proteinabbauende Verdauungsenzyme wie Trypsin oder Amylase blockieren.
• Die Konzentration von Protease-Inhibitoren in Bohnen und Getreide ist so hoch, dass die Verdauung von Eiweissen dadurch erheblich vermindert wird.
• Leinsamen enthalten blausäurehaltige Verbindungen, die bei vermehrter Einnahme (> 10 Teelöffel pro Tag) neurologische Symptome verursachen. Die Langzeitwirkungen sind unbekannt.
• Getreide und Bohnen enthalten Phytinsäure, die Phosphor und anderen Mineralien binden (siehe oben). Unter diesem Aspekt ist ausgemahlenes Mehl gesünder als Vollkornmehl.
• Die Eiweisse in Fleisch, Fisch und Muscheln sind eindeutig gesünder als die aus verarbeiteten Lebensmittel auf Getreidebasis oder Bohnen. Das am Besten untersuchte Beispiel ist die Glutenunverträglichkeit (Gluten ist das Haupt-Protein in Getreide).
• Der Hauptverdächtigen für die Verursachung von Typ-2-Diabetes sind verarbeitete Lebensmittel und Getreide. Der Verzehr von Getreide oder Bohnen erhöht die Aufnahme von nicht verdauten Eiweissen in den Körper.

*Staffan Lindeberg "Food and Western Disease", Health and Nutrition from an evolutionary Perspective - Wiley Blackwell 2010


{-XY-} = ergänzender Kommentar des Blogautors.


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