Direkt zum Hauptbereich

Kassenleistungen und die Wirksamkeit von alternativ-medizinischen Therapiemethoden

Einige Anbieter von Craniosacraler Therapie* (CST), die z.B. auch Osteopathie durchführen, weisen auf ihren Internetseiten darauf hin, daß Osteopathie jetzt auch als Kassenleistung in Anspruch genommen werden kann. Doch die Tatsache, daß eine gesetzliche Krankenkasse die Osteopathie übernimmt, sagt (leider) noch nichts über deren Wirksamkeit aus. Dahinter stecken eher marketing-strategische Überlegungen zur Mitglieder-Aquisition, als Wirksamkeitsbeweise. Führendes Beispiel ist die Techniker-Krankenkasse (TKK), die als eine der ersten Krankenkassen die Homöopathie in ihren Leistungskatalog aufgenommen hat und nun auch osteopathische Behandlungen bezahlt, obwohl es für beide Therapieformen keine hinreichenden Beweise für deren Wirksamkeit gibt bzw. die negativen Forschungs-Ergebnisse die positiven um ein Vielfaches übertreffen. 
Jedoch sind sowohl Homöopathie als auch die Osteopathie "Trend-Therapien", die von vielen "gesundheitsbewussten" Menschen gewünscht werden, insbesondere von Eltern für Ihre Kinder, weil beide Therapieformen als sanfte Medizin gelten. Diese Therapieformen anzubieten, erhöht also garantiert die Mitgliederzahlen!
Osteopathie / Homöopathie werden aber längst nicht von allen gesetzlichen Kassen übernommen und im Leistungskatalog der gesetzlichen Kassen finden sich auch andere Therapieformen, für die es ebenso wenig evidenzbasierte Studien (z.B. Bobath-Therapie) gibt, wie für die Osteopathie / Homöopathie. Das liegt u.a. daran, dass es keine strengen Kriterien gibt, die festlegen würden, welche Therapien in den Leistungskatalog aufgenommen werden dürfen und welche nicht. Das entscheidende Gremium ist der sogenannte G-BA (gemeinsamer Bundesausschuss) und seine Unterausschüsse. Zitat des Bundesministers für Gesundheit: "Außerdem sind durch das GKV-Versorgungsstrukturgesetz die Angebotsmöglichkeiten für Satzungsleistungen der Krankenkassen erweitert worden. In folgenden Bereichen können jetzt zusätzliche Satzungsleistungen angeboten werden: Vorsorge- und Reha-Maßnahmen, Leistungen von Hebammen bei Schwangerschaft und Mutterschaft, künstliche Befruchtung, zahnärztliche Behandlung (ohne Zahnersatz), nicht verschreibungspflichtige apothekenpflichtige Arzneimittel, Heil- und Hilfsmittel, häusliche Krankenpflege, Haushaltshilfe sowie nicht zugelassene Leistungserbringer."

Links / Medien / Quellen:
http://www.boeckler.de/pdf/p_edition_hbs_108.pdf
http://www.bmg.bund.de/krankenversicherung/leistungen/leistungskatalog.html
http://www.test.de/Gesetzliche-Krankenkassen-Auf-dem-Weg-der-Besserung-4374368-0/
http://www.dgmm.de/images/offener_brief_zum_thema_osteopathie.pdf
http://news.doccheck.com/de/blog/post/4510-osteopathie-homoeopathie-und-andere-quacksalber-auf-kasse/

Ein neueres Urteil des Oberlandgerichtes (sic!) Düsseldorf vom 5.11.2013 setzte sich genau mit der hier besprochenen Thematik auseinander und kam zu dem Schluss, Zitat: "Wann und weshalb Krankenkassen bestimmte Kosten übernehmen, ist nicht allein eine Frage des wissenschaftlichen Beweises einer Wirksamkeit der entsprechenden Behandlung, sondern hängt von diversen, zum Teil auch betriebswirtschaftlichen Erwägungen der Kassen ab. Die Erstattung bestimmter Kosten dient allein ihrem Bestreben, bestimmte Bevölkerungsteile an sich zu binden.“
Siehe auch das komplette Urteil unter: http://openjur.de/u/685701.html
Quelle: http://www.sasse-heilpraktikerrecht.de/aktuelles/details.php?Kunde=1122&Modul=3&ID=18892

*Rechtlicher Hinweis zur CST (ohne jegliche Gewähr und keine Rechtsberatung ersetzend): Es gibt keine ärztlichen Verordnungen für Craniosacrale Therapie und somit gibt es auch kein Delegationsverfahren für CST. Wer jemals ein Rezept für CST bekommen hat, soll mir bitte eine Kopie zuschicken. Danke.

Es gibt auch keine Craniosacralen Techniken, die nur annähernd physiotherapeutischen Techniken entsprechen würden. Es gibt noch nicht einmal eine offizielle Liste, wo diese angeblichen ähnlichen Techniken vergleichend gegenübergestellt würden. Bei der Osteopathie gibt es erhebliche Zweifel, ob ein sogenanntes Delegationsverfahren (Arzt / Heilpraktiker stellt Rezept aus) rechtmässig ist. 


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Vernichtende Kritik an der Osteopathie und Craniosacrale Therapie, 1. Teil - Die persönliche Irreführung

Craniosacrale Therapie / Osteopathie - kritische Betrachtung eines ehemals Praktizierenden der Craniosacralen Therapie, insbesondere des Upledger-Ansatzes*

Möglichkeiten und Grenzen der menschlichen Wahrnehmung
Was kann ich mit meinen Händen wahrnehmen? Ich kann die Haut eines Anderen fühlen, ihre Qualitäten wie Weichheit, Feuchtigkeit, Trockenheit, Wärme, Kälte oder den Tonus, die innewohnende Spannung der Muskulatur und den anderer Gewebe. Ich kann Verhärtungen spüren, Myogelosen, Hartspann oder andere pathologischen Veränderungen im muskulo-skeletalen System oder im Bauchraum, den Pulsschlag der Arterien, den Herzschlag und die Atembewegungen. Was kann ich darüber hinaus spüren? Kann ich auch etwas spüren, das weder messbar noch nach den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen nachvollziehbar ist? Es geht um den sogenannten "Craniosacralen Rhythmus" (kurz "CSR") oder Craniosacralen Impuls. Es gibt unsichere Hinweise, dass es einen von Herzschlag und Atmung unab…

Abrechnung als Heilpraktiker (Physiotherapie), welches Leistungsverzeichnis?

Für den Heilpraktiker (HP) gibt es keine rechtlich bindende Gebührenordnung (Gebührentaxe), deshalb ist er generell in der Kalkulation seiner Honorarhöhe frei. Als Orientierungshilfe gibt es zwar das Gebührenverzeichnis für Heilpraktiker (GebüH), in dem viele Leistungen des Heilpraktikers aufgelistet worden sind. Es ist aber ohne eine rechtliche Verpflichtung für den Heilpraktiker. Krankenkassen wollen den HP gerne indirekt dazu verpflichten, sich nach dem - seit 1985 monetär eingefrorenen - Gebührenverzeichnis zu richten und verweigern nicht selten die Leistungen gegenüber Ihren Versicherten, wenn der HP die GebüHnicht benutzt hat. Es steht aber ausdrücklich in dem vom Bundesverband der Heilpraktiker herausgegeben Gebührenverzeichnis, dass auch andere Verzeichnisse herangezogen (letzter Satz, Seite 2) oder ähnliche Behandlungsmethoden als sogenannte Analog-Ziffern benutzt werden dürfen.
Auf der anderen Seite ist jeder Privatversicherte natürlich an das gebunden, was in seinem Versicher…

Vernichtende Kritik an der Osteopathie und Craniosacrale Therapie, 2.Teil - Die wissenschaftliche Beweislage

Erste grosse Übersichtsstudie kam aus Canada Im Jahr 1999 veröffentliche ein finanziell- und interessenunabhängiges Untersuchungsteam der Universität von British Colombia in Vancouver (Kanada), das "British Columbia Office of Health Technology Assessment", die bis 2012 weltweit einzige Übersichtsarbeit (systematischer Überblick über vorhandene wissenschaftliche Studien und Auswertung der qualitativ hochwertigsten Arbeiten) zur sogenannten "Craniosacralen Therapie". Insbesondere wurde gerade der in den USA sehr verbreitete und populäre "Upledger Ansatz" untersucht und hinterfragt. Die Studie ist kostenlos im Internet einsehbar. Sie wurde 14 Jahre nach Ihrer Veröffentlichung leider immer noch nicht ins Deutsche übersetzt und ist deshalb nicht besonders in den deutschen Sprachraum eingedrungen. Das Deutsche Ärzteblatt zitiert diese Studie in Ihrem ausführlichen Bericht über die Bewertung von osteopathischen Verfahren in Deutschland (dort Literatur-Quelle Nr. …