Direkt zum Hauptbereich

Auf den Inneren Arzt hören - Eine satirische Geschichte von Volker H. Richter

Neulich fiel mir ein kleines Büchlein in die Hände. Darauf stand: „Auf den inneren Arzt hören“. Ich fing an zu lesen und war sofort fasziniert. „Was es so alles gibt“, dachte ich. Ich nahm mir dann vor, auch einmal mit meinem Inneren Arzt zu sprechen. Ich saß ganz ruhig und entspannt auf meinem Sofa und versuchte mit Ihm in Kontakt zu treten: „Hallo innerer Arzt“... „Hallöchen“... „Sehr geehrter Herr Doktor“...
Egal wie ich ihn ansprach, ich hörte nichts, keine Antwort, nichts. Warum schwieg er sich wohl so aus, dachte ich? Vielleicht habe ich etwas Ernstes? Vielleicht war er aber auch gerade beschäftigt. Mein Puls stieg an. „Innerer Arzt, jetzt komm´ schon, zeig´ Dich bitte. Ich will nur ein kleines Pläuschchen halten. Small Talk. „Innerer Arzt“ bitte! Immer noch keine Antwort. Ich wurde traurig. Ich schrieb eine lange e-mail, Telefon, Fax, Einschreiben mit Rückschein, alles ohne Erfolg. Er ging nicht ans Telefon, die e-mail und das Einschreiben kamen zurück, das Fax ging gar nicht erst durch.  „Innerer Arzt, wo bist Du?“ „Ich brauche Dich! Ich muss dringend mit Dir sprechen!" 
Nach kurzer Zeit... „Da bist du ja endlich! Na also, geht doch…“ Ich fing ein längeres Gespräch an. Er hörte zu und nickte hier und da und zum Schluss sagte er, ich könne ihn jederzeit wieder aufsuchen. Meine Augen öffneten sich. Ich lag auf dem Sofa, wo ich eingenickt war. Gerade war ich noch im Sprechzimmer des Inneren Arztes. Ich schüttelte den Kopf. „Das darf doch alles nicht wahr sein!“ Aus meiner anfänglichen Traurigkeit wurde Verzweiflung und die schlug nach weiteren vergeblichen Kontaktaufnahmen schliesslich in blanke Wut um: „Hey Du…Innerer Arzt, melde Dich jetzt sofort oder ich werde….. wirst Du dann schon sehen“ Wieder keine Antwort. Drohen half also auch nichts. „Na gut, Du hast es nicht anders gewollt!“. Ich ging zur Polizei und stellte eine Vermisstenanzeige: „Innerer Arzt gesucht“. Die wollten ein Foto. Doch ich hatte keins. Ich hatte ihn ja noch nie gesehen. Was also tun? Ich gab eine detaillierte Beschreibung ab, wie ich mir meinen Inneren Arzt vorstellte. Nach 8 Wochen bekam ich Post von der Staatsanwaltschaft: Verfahren eingestellt. Entführt oder wahrscheinlich bereits tot. - Mein innerer Arzt, tot??? Ich konnte und wollte das nicht glauben. Ich ging zu einer Wahrsagerin. Sollte sie mir sagen, wo er ist und wie ich mit ihm in Kontakt treten könne. Doch auch sie sah nichts in ihrer Glaskugel. Dann erinnerte ich mich wieder an das Büchlein „Auf den inneren Arzt hören“. Da waren Adressen im Anhang und ich rief die Nummer eines Craniosacral-Therapeuten an. Wir machten einen Termin und mithilfe des Therapeuten konnte ich endlich mit meinem Inneren Arzt sprechen. Was für eine Erleichterung! Hätte ich das nur vorher gewusst. Ich hätte mir den ganzen Kladderadatsch gespart. Wir sprachen ausführlich. Er sagte mir, ich solle mein Herz einmal untersuchen lassen und wegen der Verspannungen und Schmerzen im Rücken solle ich den Craniosacral Therapeuten weiter aufsuchen. Der könne da gut helfen. Ich bezahlte die Sitzung in bar (€ 80.-) und ging sehr, sehr zufrieden nach Hause….
Ich war einfach nur noch happy. Endlich war ich in Kontakt mit meinem Inneren Arzt! Und mithilfe des Craniosacral-Therapeuten konnte ich sooft und soviel mit Ihm sprechen, wie ich wollte…Mir fiel eine unglaubliche Last von meinen Schultern und ein Stein von meinem Herzen. Schön entspannt setzte ich mich vor den Fernseher und sah meine Lieblingssendung die „Simpsons“….
Wenn Sie mehr über den Inneren Arzt erfahren möchten, schauen Sie bitte hier:
http://www.amazon.de/inneren-Arzt-hören-Einführung-Craniosacral-Therapie/dp/3720524973
Wenn Sie den Inneren Arzt anzweifeln, dann schauen Sie bitte hier: http://sekten-info-nrw.de/index.php?option=com_content&task=view&id=31&Itemid=40

Impressum
überarbeitet am 4.11.2015




Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Vernichtende Kritik an der Osteopathie und Craniosacrale Therapie, 1. Teil - Die persönliche Irreführung

Craniosacrale Therapie / Osteopathie - kritische Betrachtung eines ehemals Praktizierenden der Craniosacralen Therapie, insbesondere des Upledger-Ansatzes*

Möglichkeiten und Grenzen der menschlichen Wahrnehmung
Was kann ich mit meinen Händen wahrnehmen? Ich kann die Haut eines Anderen fühlen, ihre Qualitäten wie Weichheit, Feuchtigkeit, Trockenheit, Wärme, Kälte oder den Tonus, die innewohnende Spannung der Muskulatur und den anderer Gewebe. Ich kann Verhärtungen spüren, Myogelosen, Hartspann oder andere pathologischen Veränderungen im muskulo-skeletalen System oder im Bauchraum, den Pulsschlag der Arterien, den Herzschlag und die Atembewegungen. Was kann ich darüber hinaus spüren? Kann ich auch etwas spüren, das weder messbar noch nach den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen nachvollziehbar ist? Es geht um den sogenannten "Craniosacralen Rhythmus" (kurz "CSR") oder Craniosacralen Impuls. Es gibt unsichere Hinweise, dass es einen von Herzschlag und Atmung unab…

Abrechnung als Heilpraktiker (Physiotherapie), welches Leistungsverzeichnis?

Für den Heilpraktiker (HP) gibt es keine rechtlich bindende Gebührenordnung (Gebührentaxe), deshalb ist er generell in der Kalkulation seiner Honorarhöhe frei. Als Orientierungshilfe gibt es zwar das Gebührenverzeichnis für Heilpraktiker (GebüH), in dem viele Leistungen des Heilpraktikers aufgelistet worden sind. Es ist aber ohne eine rechtliche Verpflichtung für den Heilpraktiker. Krankenkassen wollen den HP gerne indirekt dazu verpflichten, sich nach dem - seit 1985 monetär eingefrorenen - Gebührenverzeichnis zu richten und verweigern nicht selten die Leistungen gegenüber Ihren Versicherten, wenn der HP die GebüHnicht benutzt hat. Es steht aber ausdrücklich in dem vom Bundesverband der Heilpraktiker herausgegeben Gebührenverzeichnis, dass auch andere Verzeichnisse herangezogen (letzter Satz, Seite 2) oder ähnliche Behandlungsmethoden als sogenannte Analog-Ziffern benutzt werden dürfen.
Auf der anderen Seite ist jeder Privatversicherte natürlich an das gebunden, was in seinem Versicher…

Vernichtende Kritik an der Osteopathie und Craniosacrale Therapie, 2.Teil - Die wissenschaftliche Beweislage

Erste grosse Übersichtsstudie kam aus Canada Im Jahr 1999 veröffentliche ein finanziell- und interessenunabhängiges Untersuchungsteam der Universität von British Colombia in Vancouver (Kanada), das "British Columbia Office of Health Technology Assessment", die bis 2012 weltweit einzige Übersichtsarbeit (systematischer Überblick über vorhandene wissenschaftliche Studien und Auswertung der qualitativ hochwertigsten Arbeiten) zur sogenannten "Craniosacralen Therapie". Insbesondere wurde gerade der in den USA sehr verbreitete und populäre "Upledger Ansatz" untersucht und hinterfragt. Die Studie ist kostenlos im Internet einsehbar. Sie wurde 14 Jahre nach Ihrer Veröffentlichung leider immer noch nicht ins Deutsche übersetzt und ist deshalb nicht besonders in den deutschen Sprachraum eingedrungen. Das Deutsche Ärzteblatt zitiert diese Studie in Ihrem ausführlichen Bericht über die Bewertung von osteopathischen Verfahren in Deutschland (dort Literatur-Quelle Nr. …