Pendeln und Craniosacrale "Therapie" - ein Vergleich

Was haben Pendeln und Craniosacrale "Therapie" gemeinsam? Beim Pendeln geht man davon aus, dass sich eine geheimnisvolle (und wissenschaftlich nicht erklärbare) Kraft vom bependelten Objekt auf das Pendel überträgt und dem Pendler so geheime bzw. von aussen nicht wahrnehmbare Informationen über das Objekt liefert. Zum Beispiel: man steht vor einer Person, bependelt sie und weiss dann, ob diese Person einem gut tut oder nicht oder man nehme einen Apfel und hält ihn zwischen Bauch und Pendel und das Pendel wird dann verraten, ob man den jetzt essen kann oder nicht. Oder man pendelt sich durch das Unterbewusste. Auf jede Frage wird es eine Antwort geben. Ich persönlich habe einmal hier in Düsseldorf eine über die Landesgrenzen bekannte Heilpraktikerin erlebt - die zudem in einem umfunktionierten Bauwagen behandelt hat - wie sie jedes Medikament erst ausgependelt und dann dem Patienten ein Sammelsurium an Pillen mitgegeben hat (irgendeine davon wird dann schon geholfen haben). Bei der Craniosacralen Therapie geht man davon aus, dass es einen sogenannten Craniosacralen Rhythmus gibt - auch Liquorpuls genannt - der durch einen entsprechenden, hochausgebildeten Craniosacral Therapeuten oder sogenannten "Osteopathen" mit seinen Händen wahrgenommen werden und zur Diagnostik und Behandlungen von Ungleichgewichten und Verspannungen im Gewebe, sowie für eine grosse Anzahl von Störungen und Symptomen benutzt werden kann. Ob ein solcher Puls existiert, konnte wissenschaftlich nicht einwandfrei nachgewiesen werden, aber selbst wenn es ihn gäbe, treibt er ein merkwürdiges Spielchen mit den Wahrnehmenden, denn jeder nimmt etwas anderes wahr. Ups!
Welche Erklärungen sind nun naheliegend, plausibel und nachvollziehbar? Erstens: die Vorstellungskraft ist die grösste Kraft, die der menschliche Geist hervorbringen kann. Die neueren Erkenntnisse aus der Neuroanatomie und Neurophysiologie gehen sogar soweit, dass das Gehirn zwischen tatsächlich Erlebtem und intensiver Vorstellung nicht unterscheiden kann. Zweitens: der sogenannte Carpenter Effekt. Er erklärt wie man durch blosse Vorstellung minimale Muskelbewegungen im Körper erzeugen kann, die wiederum von den sensiblen Nervenfasern dann als Bewegung wahrgenommen werden. Drittens: das Reafferenzprinzip. Dieses biologische Modell von Erich von Holst erklärt plausibel wie für Bewegungsziele Kopien im Gehirn abgelegt werden, um diese dann mit der tatsächlich ausgeführten Bewegungen abzugleichen und evt. Korrekturen bis zur Erreichung des Bewegungszieles vorzunehmen. Das Reafferenzprinzip ist eines der Haupterklärungsmodelle für das Bewegungslernen. Es erklärt auch das Phänomen von Scheinbewegungen.

Weitere Infos unter: 

https://crafta.org/artikel/art14.pdf

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