Die sprachlichen Stilblüten und Irreführungen der Heilpraktiker

#dasendederscharlatane #wegmitdemheilpraktiker #verbraucheraufklärung 

Über den Heilpraktiker habe ich schon an anderer Stelle geschrieben, siehe hier und hier.
Viele Heilpraktiker halten sich nicht an das Gesetz zum unlauteren Wettbewerb und dichten sich Bezeichnungen und Qualifikationen zu, die sie nicht haben. Diese sind:

1. "Staatlich anerkannter Heilpraktiker" oder "Staatlich geprüfter Heilpraktiker"
Diesen Titel gibt es nicht. Neben der Irreführung liegt hier auch der Straftatbestand des Titelmissbrauches vor. 

2. "Ausbildung zum Heilpraktiker"
Der Heilpraktiker ist weder ein Ausbildungsberuf, noch ein Beruf, der irgendeine Art ein von Fachwissen voraussetzt. Es gibt auch keine Ausbildungs- und Prüfungsordnung wie zum Beispiel beim Beruf des Physiotherapeuten oder Podologen.

Viele medizinische Laien, die den Heilpraktiker-Status erwerben möchten, fühlen sich sicherer, wenn Sie sich in einem Privat-Institut auf die Heilpraktiker-Überprüfung beim Gesundheitsamt vorbereiten können. Das könnten sie theoretisch aber auch zu Hause ganz allein für sich im stillen Kämmerlein. Der Markt mit den Instituten indes ist riesig. 

3. "Prüfung zum Heilpraktiker" oder "Prüfung beim Gesundheitsamt XY bestanden"
Der Heilpraktiker wird nicht geprüft, sondern überprüft. Das ist ein immenser Unterschied, der für den uninformierten Verbraucher leicht zu überlesen ist und worüber er sich vielleicht auch nicht im geringsten Gedanken macht.

Eine Prüfung abzulegen heisst, dass man sein Fachwissen einer Jury (Prüfungskommission) präsentiert und von dieser beurteilen lässt. Viele Ausbildungsberufe schliessen mit einer Prüfung vor der IHK ab, der angehende Lehrer macht sein Staatsexamen, ebenso der Jurist, der Physiotherapeut macht eine bis zu 4-wöchige Prüfung vor einem staatlichen Prüfungsausschuss u.s.w. u.s.f.

Was ist nun der Unterschied zu einer Überprüfung? Bei der Überprüfung des Gesundheitsamtes für Heilpraktiker-Kandidaten wird eben nicht eventuell vorhandenes Fachwissen abgefragt, sondern hier wird lediglich festgestellt, dass der Heilpraktiker in seiner Tätigkeit keine Gefahr für die Bevölkerung darstellt. Im Grunde handelt es sich hier um eine negative Feststellungsüberprüfung (keine Gefahr für die Bevölkerung gleich Überprüfung bestanden gleich Zulassung als Heilpraktiker).

Heilpraktiker treiben seit 1939 in Deutschland ihr Unwesen. Die von Ihnen benutzten alternativ-medizinischen Methoden wie Homöopathie, Kinesiologie, Osteopathie, Bachblüten, Reiki u.f.m. sind zu 99% medizinisch unwirksam und beruhen einzig auf Placebo-Kontext-Effekten. Inzwischen gibt es das Münsteraner Memorandum, ein Konsortium von Fachleuten aus ganz Deutschland, dass sich für die Abschaffung des Heilpraktikers ausgesprochen hat.


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